Der polnische Dichter und Literaturnobelpreisträger Czeslaw Milosz (1911 – 2004) hat ein umfangreiches dichterisches und essayistischen Werk hinterlassen, das seines Gleichen sucht.

Zweifellos war Milosz einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts.

Zu den wichtigen Werken Milosz‘ gehört das 1977 in Paris erschienene Buch „Das Land Ulro“.
Der Titel des Werkes stellt einen Rückgriff auf den englischen Dichter William Blake dar. Milosz schreibt: „Das Land Ulro ist ein Name, der von William Blake stammt und das Land meint, dem durch die Wissenschaft die Vorstellungskraft entzogen wurde“

Allgemein betracht untersucht Milosz die wechselseitigen Beeinflussungen von Religion und Literatur in der Moderne. Seiner Auffassung zufolge ist das charakteristische Merkmal dieser Epoche, gemäß den seit der Aufklärung vorherrschenden moderne Deutungsperspektiven, der Rückgang der Religion. In diesem Zusammenhang problematisiert Milosz seinem umfangreichen Essay die Dechristianisierung und Säkularisierung in der Moderne.

Milosz‘ Kritik an der Moderne fußt auf dem Schaffen von Autoren, welche die Folgen der modernen Religionskritik von den Rändern einer konfessionell gebundenen Religion bzw. außerhalb der Grenzen einer Religionsgemeinschaft her reflektierten. Diesen Zugang rechtfertigte er mit dem Hinweis auf die Vitalität des religiösen Denkens, wobei er insbesondere häretisches Denken berücksichtigte. Solche Denker wie Swedenborg, Blake, Mickiewiecz, Dostojewski und Oskar Milosz, von denen Milosz in „Das Land Ulro“ schreibt, gehören zwar unterschiedlichen ästhetischen und weltanschaulichen Kontexten an; jedoch seiner Auffassung zufolge positionieren sie sich alle jenseits der Grenzen einer orthodoxen Religiosität und wirken gerade deswegen überzeugend auf die Imagination. Die Bedeutung der Imagination stellt ein Schlüsselmoment in Milosz‘ Ausführungen dar.

Milosz argumentiert, dass jene Schriftsteller und Denker insofern eine geschlossene Gruppe darstellen, da sie sich in spezifischer Weise durch ein mythenbildendes Schaffen auszeichnen. Er untersucht diese Mythen schaffende Richtung, um ein anderes Gesicht der Moderne freizulegen.
Somit funktioniert „Das Land Ulro“ als kritische Umwertung der Moderne, speziell der Aufklärung.
Indem sich Milosz auf die genannten Autoren beruft, distanziert er sich von einer teleologischen Auslegung der Moderne und zugleich auch von einer Moderne, die nach der vorherrschenden Überzeugung von einem irreversiblen Prozess der Säkularisierung geprägt sei.


SEMINARPROGRAMM

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REFERENTEN

  • Wolfram Tschiche (Theologe, Philosoph, Publizist; Bismark OT Klinke)

WANN & WO

  • 10.6.22:  19.00-21.00 Uhr
  • 11.6.22: 9.30-17.00 Uhr
  • Gäste- und Tagungshaus Komenský, Comeniusstraße 6-8, Herrnhut

ANMELDUNG

Zur Anmeldung wird gebeten sich bis 6.6.22 an Wolfram Tschiche zu wenden unter w.tschiche@r-online.de oder 039325/ 22359.

Betreffs Übernachtungs – und Verpflegungsfragen wenden Sie sich bitte/ wendet Euch bitte an die Komensky Gäste – und Tagungsstätte/ Herrn Przyluski:


Bild: 100th Anniversary of Czeslav Milosz, 5.3.2011, Quelle: http://www.wnsstamps.post/en/stamps/LT023.11