Zu Jan Patočka:

Das Leben des bedeutenden tschechischen Philosophen Jan Patočka (1907 – 1977) umfasst die Schrecken des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1907 geboren, erlebte er den Ersten und Zweiten Weltkrieg und weitere 30 Jahre kommunistische Vormundschaft bis zu seinem Tode im Jahr 1977. Sein Schicksal steht beispielhaft für viele Intellektuelle, deren Leben und Arbeiten von einem totalitären Regime eingeschränkt und unterdrückt wurde. Das Außergewöhnliche im Leben Patockas bestand darin, dass er es wagte, aus dem Schatten der Geschichte herauszutreten und die Verantwortung für den Lauf des Geschehens selbst zu übernehmen.

Das philosophische Denken Patočkas ist von der Phänomenolgie Husserls und der Philosophie Heideggers beeinflusst worden. Von beiden wurde er unterrichtet. Seine universitäre Laufbahn als Philosophieprofessor wurde mehrfach durch die jeweilige politische Macht unter­brochen: Während der Nazi-Okkupation der Tschechoslowakei und der kommunistischen Diktatur wurde ihm bis auf die Jahre 1948 – 1950 und nach dem „Prager Frühling“ 1968 – 1972 jegliche Tätigkeit an der Universität verboten. Patočka arbeitete als Übersetzer am Masaryk-Institut, am pädagogischen Instituts der Akademie der Wissenschaften und am philosophischen Institut. Daneben hielt er Vorträge in Privatwohnungen, in den 1960ziger Jahren auch als Gastdozent in Deutschland und Frankreich. 1968 berief man Patočka zum Professor an der Karls-Universität in Prag; aber schon 1972 wurde er zwangspensioniert.

Der Name Patocka ist auch eng mit der Comenius-Forschung verbunden. In origineller Weise gelingt es dem Philosophen, die Vielgestaltigkeit des 17. Jahrhunderts darzustellen. Aktualität gewinnen seine Analysen dadurch, dass er uns diese Zeit als den Beginn der Entwicklung moderner Rationalität vor Augen führt, die von ihren Anfängen an Alternativen zu einer bloß instrumentellen Vernunft bereithielt. Comenius wird für Patocka zu einem exemplarischen Denker, der die heterogenen
Impulse seiner Zeit zu einem Einheitskonzept, der Pansophie, vereinigen wollte.

Das dritte Verbot seiner Lehrtätigkeit, im Jahr 1972, war der Beginn seines aktiven Engagements für die politische Opposition, die ihn schließlich zum gedanklichen Vorreiter und einer der ersten Sprecher der Dissidentenbewegung Charta 77 machte. Patočka stirbt nach mehreren Verhören durch die Staatspolizei an einem Gehirnschlag. An seinem Begräbnis nahmen trotz Überwachung und Kontrolle durch die Staatssicherheit über 1000 Trauernde teil.

Schwerpunkte des Seminars:

  • Leben und Werk Jan Patockas;
  • Philosophische Traditionen im Denken Patockas:  Husserl (Phänomenologie) und Heidegger;
  • Freiheit und Verantwortung- Freiheit und Verantwortung als philosophische Hauptthemen Patockas;
  • Existenz und Geschichte- Die zerbrochene Harmonie;
  • Patockas politisches Engagement im Rahmen der „Charta 77“;
  • Patockas Forderung nach einer moralischen Politik;
  • Patockas Comenius-Interpretation

Es kommen unterschiedliche Methoden und Medien zum Einsatz.

Termin:   04.11.-05.11.2016
Freitag:   18.00 – 21.00 Uhr
Samstag: 09.30 – 17.00 Uhr

Ort: 

KOMENSKÝ, Gäste- und Tagungshaus,
Comeniusstraße 8+10,
02747 Herrnhut

Veranstalter:

Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung e.V. und Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V.

Referenten:

Jan Sicha (Historiker, Botschaftsrat, Stadtplaner, Publizist, ehem. Prager Studentenführer 1989; Prag)

Wolfram Tschiche (Theologe, Philosoph; in der DDR- Opposition engagiert; Badingen OT Klinke)

 

Bitte melden Sie sich/ meldet Euch spätestens bis zum 28.10.16 unter folgender Emailadresse an:
w.tschiche@t-online.de
Tel.: 039325/ 22359

Wegen der Übernachtungs- und Verpflegungskosten wenden Sie sich/ wendet Euch bitte an Herrn Przyluski (Tagungshaus s.o.).

Wir freuen uns Sie als Teilnehmer begrüßen zu dürfen!