Zum Inhalt:

Imre Kertesz, der im März 2016  gestorben ist, wurde 1929 in Budapest geboren und 1944 als jüdischer Jugendlicher nach Auschwitz deportiert, schließlich 1945 in Buchenwald befreit. Seit 1953 lebte er in Budapest als freier Schriftsteller. Jahrelang wurde Kertesz in seiner Heimat todgeschwiegen, nicht nur weil dem kommunistischen Regime kritisch gegenüberstand, sondern auch weil sein literarisches Schaffen der offiziellen Ästhetik
widersprach.

Somit wurde sein Auschwitz- Buch „Roman eines Schicksalslosen“ durch die ungarische Zensurbehörde zweieinhalb Jahre am Erscheinen gehindert. Dazu bemerkt  der Autor: „Ein Buch, das die Befreiung aus dem Lager nicht als Befreiung beschrieb, konnten sie nicht ertragen.“
Gegen seine pessimistische Erwartung, dass nie ein Schriftsteller ungarischer Sprache mit dem höchsten Literaturpreis der Welt ausgezeichnet werden könnte, erhielt Kertesz im Jahr 2002 „für sein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Geschichte behauptet“, den Nobelpreis für Literatur.

Dieses Seminar verfolgt nicht nur die Absicht, das literarische Werk Imre Kertesz’ vorzustellen, sondern unter Zuhilfenahme seines Werkers die Gründe für das Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts mit dem Namen „Auschwitz“ zu analysieren und zu diskutieren.
Dabei werden wir u.a. bestimmten Schlüsselbegriffen von Kertesz nachgehen, wie z. B. „Auschwitz“, „Holocaust“, „Antisemitismus“, „Totalität/ Totalitarismus“, „Schicksal/ Schicksallosigkeit“, „Zeugnis geben“, „atonales Schreiben“.

Schwerpunkte des Seminars:

  • Leben und Werk Imre Kertesz‘
  • Zum Begriff „Holocaust“
  • Kertesz‘ „Auschwitz- Mythos“
  • die Besonderheit von Kertesz‘ Antisemitismus-
    Interpretation
  • Totalitarismus und Schicksal im Sinne Kertesz
  • Imre Kertesz über das Schreiben

Es kommen unterschiedliche Methoden und Medien zum Einsatz.

Termin: 28.01.2017; 09:30-17:00 Uhr

Ort: 

KOMENSKÝ, Gäste- und Tagungshaus,
Comeniusstraße 8+10,
02747 Herrnhut

Veranstalter:

Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung e.V. und Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V.

Referenten:

Dr. Radka Denemarkova (Schriftstellerin, Übersetzerin, Germanistin; Prag);

Wolfram Tschiche (Theologe, Philosoph; in der DDR- Opposition engagiert; Badingen OT Klinke)

Bitte melden Sie sich/ meldet Euch spätestens bis zum 15.01.17 im Komensky Gäste- und Tagungshaus an. (Tel.: 035873 338-40, E-Mail: info@komensky.de)

Weitere Details entnehmen Sie bitte der Einladung.

Wir freuen uns Sie als Teilnehmer begrüßen zu dürfen!