Datum: vom 01.12.17 (9.00 – 21.00 Uhr) bis 02.12.17 (9.30 – 17.00 Uhr)
Ort: Komensky Gäste- und Tagungsstätte, Comeniusstraße 8 – 10, 02747 Herrnhut
Eintritt: frei
Veranstalter: Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung e.V.
Kooperationspartner: Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V.
Referent/in: Dr. Radka Denemarkova (Schriftstellerin, Übersetzerin, Germanistin; Prag), Wolfram Tschiche (Theologe, Philosoph, Publizist; Badingen OT Klinke)

Seminarleitung: Wolfram Tschiche


Anna Andrejewna Achmatova gilt als Leitfigur des Akmeismus, einer literarischen Bewegung des 20. Jahrhunderts, die sich in Abgrenzung von dem damals herrschenden Futurismus und Symbolismus durch eine klare, wirklichkeitsnahe Poesie auszeichnet. Anna Achmatova wurde 1889 in Bolschoj Fontan bei Odessa geboren und begann bereits im Alter von 11 Jahren Gedichte zu schreiben. 1910 heiratete sie in erster Ehe Nikolai Gumiljow, ebenfalls ein Vertreter des Akmeismus.

In ihren ersten Gedichtzyklen „Vecer“ (1912, „Abend“) und „Cetki“ (1914, „Rosenkranz“) widmete sie sich ganz ihrem persönlichen Erfahrungsbereich und ihrer Gefühlswelt. Ihre Werke wurden von sowjetischen Kritikern als zu „privat“ und „asozial“ verurteilt. Zwischen 1922 und 1958 war sie mit einem Publikationsverbot belegt. Ihr Gedichtzyklus „Rekviem“ (1953 – 1963, „Requiem“), der sich mit dem stalinistischen Terror auseinandersetzte, erschien in der ehemaligen UdSSR erst nach ihrem Tod im Jahr 1987.

Anna Achmatova blieb, wie vielen Menschen ihrer Generation, nichts an Unheil erspart, was der Erste Weltkrieg, die Revolution, der Stalinismus und schließlich der Zweite Weltkrieg über ihr Land brachten. Ihr erster Ehemann, der Lyriker Nikolai Gumiljow wurde 1921 im umbenannten St. Petersburg von den Bolschewiki erschossen; der einzige Sohn verbrachte insgesamt achtzehn Jahre in sowjetischer Haft; Nikolai Punin, mit dem sie in dritter Ehe verheiratet war, kam 1953 im Lager um, wo bereits viele der Freunde, so Mandelstam und Pilnjak, geblieben waren. Auch wurde über sie vom KGB eine umfangreiche Akte namens „Objekt Achmatova“ angelegt.

Doch sie selbst, vor der Revolution bereits eine gefeierte Dichterin, danach jahrzehntelang zum Schweigen verurteilt, verfolgt und geschmäht, hielt die Emigartion für unangemessen. Stattdessen unbehaust, wie sie lebte, fühlte sie sich ausschließlich ihrem Werk verpflichtet. Erst gegen Ende ihres Lebens stellten sich der Ruhm und Anerkennung ein. Dieser stand sie aber mit Gelassenheit gegenüber.

1964 erhielt Anna Achmatova den renomierten Ätna – Taormina – Preis, ein Jahr später wurde sie Ehrendoktorin in Oxford. Neben Lyrik verfasste Anna Achmatova zahlreiche Essays, Übersetzungen und wissenschaftliche Arbeiten. Sie starb 1966 in Domodjedowo bei Moskau.

Mit dem Seminar verfolgen wir nicht nur die Absicht, Leben und Werk Anna Achmatovas vorzustellen, sondern darüber hinaus – auch in ihrer Perspektive – die Situation der Kunst und Kultur während der stalinistischen Ära zu diskutieren


Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Informationen über die Oktoberrevolution der Bolschewiki: Erziehungsdiktatur und Staatsterror;

  • Analyse Stalins als totalitärer Herrscher: System und Ideologie;

  • Auseinandersetzung mit der bolschewistischen und stalinistischen Kulturpolitik – Zur Situation von Kunst und Kultur in der Sowjetunion;

  • Aufzeigen von Kunstströmungen in der Sowjetunion;

  • Kennenlernen der Lyrik Anna Achmatovas (u.a.: „Requiem“, „Eine kleine Geographie“, „Die Weide“, „Poem ohne Held“);

  • Gemeinsames Textlesen von Gedichten Achmatovas;

  • Lesung Radka Denemarkovas u.a. aus ihrem Roman „Kobold“ und essayistischen Texten zu Anna Achmatova

  • Anregungen zum Engagement gegen totalitäre Bestrebungen in der Gegenwart


Sonstiges:

  • Um Anmeldung bis zum 29.11.2017 wird gebeten per Mail w.tschiche@t-online.de oder telefonisch unter 039325 / 22359.
  • Betreffs Übernachtung- und Verpflegung wenden Sie sich/ wendet Euch bitte direkt an die Komensky Gäste- und Tagungsstätte / Herrn Przyluski (s.o.)
    Tel.: 035873/ 33840
    Fax: 035873/ 33859
    Email: info@komensky.de